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Die Nutzung der Alpen im Mittelalter

Das Gold der Tauern bildete im Mittelalter eine bedeutende Wirtschaftsgrundlage. Von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis im 16. Jahrhundert wurde im Gasteiner Tal im Bereich des Seekogels, des Bockharts und des Silberpfennigs Goldbergbau betrieben. Noch heute sind in der Region etwa am oberen Bockhartsee oder auf der Erzwiese am Silberpfennig die Bergbaureviere gut erkennbar. Das Erz ist schon in der Nähe der Abbaureviere im Hochgebirge zerkleinert worden und nur die erzführenden Brocken sind ins Tal zur Weiterverarbeitung und Verhüttung transportiert worden. Der Transport geschah vornehmlich im Winter durch so genannte Sackzüge (mit zerkleinertem Erz gefüllte Tierbälge), die wie auf einem Schlitten ins Tal zu den Verhüttungsplätzen gebracht wurde. Goldschmelzanlagen, also Weiterverarbeitungswerkstätten des goldführenden Erzes, konnten im Angertal entdeckt werden. Große Schlackehalden zeugen sind heute noch  sichtbare Überreste.

Karte der Erzreviere, der Sackzugrouten und der Schmelzplätze im Angertal (Karte: K. Misterek)

Grabung Hüttenplatz 1

Seit 1989 und weiter in den 1990er Jahren fanden im Bereich des spätmittelalterlichen Goldschmelzplatzes (Hüttenplatz 1) im Angertal, Bad Hofgastein (Verwaltungsbezirk St. Johann im Pongau) Ausgrabungen statt. Im Zuge dieser Ausgrabungen wurden insgesamt 3 Schmelzöfen unterschiedlicher Funktion freigelegt. 2007 und 2008 konnten die zuvor nicht beendeten Grabungen abgeschlossen werden.

Durch die jetzt festgestellten Befunde südlich der Ofenanlage konnte die relative Abfolge der Öfen 1 und 2 geklärt werden. Schon seit den ersten Grabungen war klar, dass beide Öfen nicht in einem Zug errichtet wurden, da zwischen beiden eine Baunaht sichtbar ist. Nun konnte erkannt werden, dass Ofen 1 ein Fundament aufweist, welches vermörtelt wurde. Diese Spuren enden abrupt bei Ofen 2, der kein Fundament aufweist. Ofen 1 ist daher älter als Ofen 2. Ofen 3 ist vermutlich noch jünger. Eine Trockenmauer begrenzt rechtwinklignach Osten hin die Ofenanlage Ofen 1 und Ofen 2. Die Anbindung an Ofen 2 scheint dafür zu sprechen, dass Ofen 2 und die Mauer in einem direkten Zusammenhang miteinander stehen. Beim Bau des 3. Ofens wurde die Trockenmauer noch weiter nach Osten verlegt.

Weitere Befunde konnten in einem alten wohl künstlichen Bachlauf dokumentiert werden. Es ist anzunehmen, dass dort ein Mühlrad stand, mit dessen Hilfe ein Blasebalg angetrieben wurde, um die Öfen zu heizen.
Nördlich der Öfen existiert heute noch ein große Schlackhalde, Reste weiterer Verhüttungsüberreste fanden sich in einigen Gruben nördlich der Öfen.
Insgesamt wurden kaum Funde entdeckt. Einige Eisenfragmente, Nägel sowie stark bleihaltige Schlacke mit Spuren von Silber belegen den Kuppelationsprozess. Wenige Keramikscherben sowie Reste von Kacheln geben einen Hinweis auf den Alltag in den Alpen.

Die Ausgrabungen im Angertal im Sommer 2007 (Foto: Cl. Theune)
Reste der Trockenmauer zwischen Ofen 2 und Ofen 3, östlich (rechts) neben Ofen 3 ist die jüngere Trockenmauer zu sehen (Foto: Cl. Theune).

Grabung Feldinghütte

Im Jahr 2009 wurden die archäologischen Untersuchungen in der Feldinghütte fortgesetzt. Diese Hütte liegt nur wenige Meter unterhalb der Schmelzöfen. Die Feldinghütte in ihrem jetzigen Bestand ist um das Jahr 1873 errichtet worden. Mehrere Umbauphasen konnten bis in die 1970er Jahre festgestellt werden. Unterhalb der ältesten Fußböden fanden sich jedoch weitere Siedlungsspuren. Umfangreiche dendrochronologischen Analysen belegen, dass zahlreichen große Bauhölzer von rund 10 m Länge der um 1873 errrichteten Feldinghütte aus der Zeit um 1435-1440 stammen. Radiokarbon-Datierungen aus den unteren Siedlungsschichten bestätigen diese Datierung. Es ist also anzunehmen, dass schon in der Mitte des 15. Jahrhunderts im Bereich des heutigen Standortes ebenfalls eine Hütte, eventuell eine Knappenhütte stand.

Die Feldinghütte im Angertal, links befindet sich der Stallteil mit einer zugesetzten Tür, rechts der Wohnbereich (Foto: Cl. Theune)

Survey Erzwies

Ein umfassender archäologischer Survey auf der Erzwies, dem Nordwesthang des Silberpfennigs, wurde im Sommer 2010 durchgeführt. Dabei konnten 34 spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Objekte vermessen werden, die jeweils aus einem Stollenmundloch, einem davon abgehenden Schneekragen, dem damit verbundenen Knappenhaus und einer großen Abraumhalde bestanden. Die intensive Nutzung ist durch die Mehrphasigkeit der Gebäude angezeigt.

Erzwies, Objekt 7 mit einem mehrteiligem Knappenhaus, das Stollenmundloch befindet sich links im Hintergrund (Foto: Cl. Theune)

Zusammenfassung

Umfangreiche Schriftquellen seit der 2. Hälfte des 14.Jahrhunderts geben zusätzliche Hinweise. Diese Schriftquellen berichten über Besitzer, Pächter, Investoren, ungefähre Standorte der Anlagen im Gebirge und im Hochtal und auch über gute und schlechte wirtschaftliche Zeiten. 

Die sehr gute Quellen- und Erhaltungslage zu den montanarchäologischen Relikten auf der Erzwies führt zu weiteren Forschungsfragen zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen im hochalpinen Goldbergbau.

 
Die Marktgemeinde Bad Hofgastein hat im August 2008 in Kooperation mit dem Verein Via Aurea – Wege des Tauerngoldes - das „Frühindustrielles Montanzentrum Angertal“ eröffnet, um die noch erhaltenen Denkmäler des spätmittelalterlichen Goldbergbaus touristisch zu erschließen. Link : http://www.via-aurea.com/

Literatur

Cl. Theune, Goldbergbau im Gasteiner Tal. In: Cl. Theune / G. Scharrer-Liška / E. H. Huber / Th. Kühtreiber (Hrsg.), Stadt – Land –Burg. Festschrift für Sabine Felgenhauer-Schmiedt zum 70. Geburtstag (Rahden / Westf. 2013) 395-404.

A. Lippert / Cl. Theune, Archäologische Untersuchungen zur spätmittelalterlichen Gold- und Silbergewinnung in der Gastein. In: Beitr. Internat. Weitmoser-Symposium 2006 (Salzburg, 2009)137-158.

G. Walach, Archäometrische Forschungen am Bockhart und im Angertal. In: G. Ammreer/A. St. Weiß (Hrsg.), Das Tauerngold im europäischen Vergleich. Archäologische und historische Beträge des internationalen Kongresses in Rauris vom 7. -9. 10. 2000 (Salzburg 2001) 67-80.

B. Cech, Archäologische Forschungen zur Edelmetallgewinnung des 15. und 16. Jahrhunderts im Gasteiner Tal. In: G. Ammrer/A. St. Weiß (Hrsg.), Das Tauerngold im europäischen Vergleich. Archäologische und historische Beträge des internationalen Kongresses in Rauris vom 7. -9. 10. 2000 (Salzburg 2001) 53-65, insbesondere 61-65.

B. Cech/G. Walach, Die spätmittelalterliche/frühneuzeitliche Edelmetallverhüttung im Angertal, Bad Hofgastein – eine Studie zur systematischen Erforschung alpiner Montanlandschaften. Arch. Austriaca 82/83, 1999, 479-492.

F. Gruber, u.a., Ein spätmittelalterlicher Doppelschmelzofen im Hinteren Angertal, Bad Hofgastein. Mitteilungen Ges. Salzburg. Landeskunde 130, 1990, 759-790.

Danksagung

Für die freundliche (nicht zuletzt finanzielle) Unterstüzung der Marktgemeinde Bad Hofgastein und der Via Aurea - Wege des Tauerngoldes e.V. (insbesondere Obman Walter Wihart), möchte ich mich herzlich bedanken.

Historische Archäologie
Univ.Prof. Dr. Claudia Theune-Vogt
Institut für Urgeschichte & Historische Archäologie
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