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Die mittelalterliche Burg von Drassburg

Helena Novak

Westlich der burgenländischen Gemeinde Drassburg auf dem Taborac liegt eine mittelalterliche Befestigungsanlage, ein ovaler Ringwall von 140 x 160 m Durchmesser (Abb. 1;2).

Abb. 1: Luftbild Taborac (© Landesmuseum Burgenland).
Abb. 2: Der Taborac von Draßburg, W – Wallschnitt 1933, Handskizze des Grabungsgeländes mit den Erdwällen und den latènzeitlichen Wohnstellen: 1 Zentralplateau (Süd-West), 2 Südplateau (Ost) (Quelle: G. Moßler, Dissertation 1958).

Abb. 3: So genannte Venus von Drassburg, neolithisch (© Landesmuseum Burgenland).

Auf Grund von Sandgewinnungsarbeiten auf dem Taborac zwischen den Jahren 1930 und 1960 sind nur mehr wenige Reste des Walles im Südosten und Südwesten vorhanden. Hier fanden die Ausgräber einen 5 m hohen Hauptwall dem zwei Gräben und ein niedrigerer Vorwall vorgelagert waren. Es lassen sich zwei Phasen in dem Südwall erkennen, dessen Kern aus einem Erde-Sand-Lehmgemisch bestand auf dem sich ein bis zu 3 m hoher Brandwall mit verkohlten Holzbalken in verschiedenen Lagen befand. Die übrigen Wälle sind einphasig und werden als reine Brandwälle angesprochen.

Das Plateau, auf dem später der Ringwall gebaut wurde, war bereits seit dem Neolithikum bis in die römische Kaiserzeit besiedelt. Ein hier besonders zu erwähnender Fund wäre die bekannte „Venus von Draßburg“ aus der Zeit der Linearbandkeramik, es handelt sich um eine der ältesten Frauendarstellungen Österreichs (Abb. 3).

Zur Errichtung der Befestigungsanlage wurden Materialien aus den vorherigen Siedlungsphasen aufgeschüttet. Darum war die Datierung der Wälle bei der Ausgrabung 1928 - 1934 unklar, obwohl schon L. Bella bei Untersuchungen des Taborac 1892 die frühmittelalterliche Entstehung der Wehranlage richtig erkannt hatte.

Da die Grabungsdokumentation einige Lücken aufweist, kann die genaue Lage der zahlreichen Funde aus den Wallschnitten nicht nachvollzogen werden. Für die Erbauungszeit des Brandwalles gibt jedoch eine eiserne Zimmermannsaxt  genaueren Aufschluss. Sie stammt aus der „Roten Schanze“, was auch die noch anhaftenden Brandreste bestätigen. A. Ruttkay ordnet die Axt seinem Typ V, Variante D zu, demnach wäre die Wehranlage in das 9. – beginnende 10. Jahrhundert zu datieren (Abb. 4).

Zur Datierung der Zerstörung der Befestigungsanlage gibt ein im Jahre 1902 gefundener Silberschatz  einen Hinweis. Er wurde 500 m nördlich des Taborac entdeckt und ist wohl einer Frau von hohem Rang zuzusprechen. Erzeugt wurde die Schmuckgarnitur nach I. Bona an der Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert (Abb. 5). Die Deponierung erfolgte vielleicht im Jahre 1044 während des Feldzugs Kaiser Heinrich III. In diesem Zusammenhang dürfte auch die Befestigungsanlage am Taborac von Drassburg zerstört worden sein.

Im Rahmen des Projektes werden zunächst die mittelalterlichen Kleinfunde von der Burganlage aufgearbeitet.

Abb. 4: Axt aus dem Wall (Foto: H. Novak © Landesmuseum Burgenland).
Abb: 5: Silberschatz von Draßburg (© Landesmuseum Burgenland).

Literatur

A. Ruttkay, Waffen und Reiterausrüstung des 9. bis zur Hälfte des 14. Jahrhunderts. Slovenska Arch. 24, 1976, 245-396.

I. Bona, Der Silberschatz von Darufalva. Acta Arch. Hungarica 16, 1964, 151-169.

Das Teilprojekt wird in Kooperation mit dem Landesmuseum Burgenland durchgeführt.

 

Historische Archäologie
Univ.Prof. Dr. Claudia Theune-Vogt
Institut für Urgeschichte & Historische Archäologie
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