Schloss Hanfelden: Die Geschichte eines Schlosses vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert

Nach den frühesten bekannten schrift-historischen Quellen wurde Schloss Hanfelden Ende des 15. Jahrhunderts vom landesfürstlichen Mauteinnehmer Hans Han an der Maut in Unterzeiring erbaut. Es dürfte sich um keinen Neubau, sondern um die Erweiterung einer bestehenden Anlage gehandelt haben, denn als frühste Bauphase lässt sich ein gotischer spätestens um 1400 erbauter quadratischer Wohnturm nachweisen. Dieser wurde bereits vor bzw. um 1500 mehrfach umgebaut und um Zubauten erweitert, wobei besonders auf zwei im Westtrakt des Schlosses erhaltene Blockwerkkammern und die charakteristische, jedoch als Wehranlage wenig geeignete rechteckige Ringmauer mit Ecktürmen hinzuweisen ist. In der frühen Barockzeit wurde die Fassade umgestaltet, die Fenster wurden wohl vergrößert und vereinheitlicht – sie erhielten sogenannte Putzfaschen. Um 1900 wurden die Räume mit Öfen versehen und eine Stromleitung gelegt. Das Schloss erhielt allerdings keine Wasserzu- und –ableitung, bzw. Toiletten. Das Schloss ist mit ca. fünf Latrinen ausgestattet. Durch diese sehr sparsame Veränderung seit der Renaissancezeit hat sich mit Schloss Hanfelden ein Objekt erhalten, das sehr gut den Zustand eines Renaissanceschlosses wiedergibt und für die Steiermark und Österreich einen besonderen Glücksfall darstellt.
Schloss Hanfelden im Pölstal soll zukünftig in behutsamen Maße gesichert, restauriert und revitalisiert werden. Derzeit sind in etlichen Räumen noch zahlreiche Objekte von unterschiedlichen Nutzern des Schlosses vorhanden. Langfristig geplant sind eine Überprüfung schon vorhandener Bauaufnahmen (Martin Aigner) und gegebenenfalls eine Erweiterung der Bauaufnahme (Ersterfassung, Untersuchung laut Richtlinien für bauhistorische Untersuchungen) aller Räumlichkeiten des Schlosses. In diesem Zusammenhang sollen auch die zahlreichen Graffiti erfasst werden. In Kooperation mit der Universität für Bodenkultur werden dendrochronologische Proben für eine exakte zeitliche Bestimmung verschiedener Baukörper entnommen.
Eine erste archäologische und bauarchäologische Untersuchung fand im Sommer 2016 statt, eine zweite Kampagne wurde im Sommer 2017 durchgeführt.

Folgende Ziele stehen im Fokus des Projektes:

Die Baugeschichte von Schloss Hanfelden vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert

Die Nutzung von Schloss Hanfelden vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert

 

 

Abbildung 1: Übersichtsplan Schloss Hanfelden mit Eintragungen der Untersuchungsbereiche. (P. Hinterndorfer 2016)

Das Schloss an sich besteht aus einem Erdgeschoss, welches teilunterkellert ist, zwei Obergeschossen und einem Dachstuhl. Jedes der Geschosse hat ca. 17. Räume, darunter befinden sich im 1. Obergeschoss zwei Blockwerkkammern. Im Laufe der nächsten Kampagnen sollen alle Räumlichkeiten bauarchäologisch aufgenommen werden. Ein erster Anfang wurde in einer Küche im Erdgeschoss gemacht. Der Raum ist leicht trapezoid, die Nordwand ist 4,17 m lang, die Südwand 4,68 m, die Ostwand 3,45 m und die Westwand 3,58 m. Der Zugang erfolgt von Westen, vom Innenhof. In der anschließenden Westwand befindet sich eine Sitznische. Die Südwand ist wohl nachträglich eingebaut. In der Nordostecke der Küche ist ein Tischherd situiert, worauf sich noch Reste von Bemalung erhalten haben. In der Ostmauer hat sich eine holzverkleidete Nische erhalten, sowie ein vermauertes Fenster..

Abbildung 3: Erdgeschoss Schloss Hanfelden mit Raum 13 – Küche mit Tischherd (Pfeil) (Plan: M. Aigner)


Aufgrund der guten Erhaltungsdichte von Hölzern in allen Etagen und besonders im Dachstuhl wurden parallel zu den archäologischen Untersuchungen umfangreiche dendrochronologische Proben entnommen, die die oben skizzierte Entwicklung unterstützt.

Die begonnenen Untersuchungen werden in den Folgejahren fortgeführt, wobei Wert auf eine umfassende, alle Quellen und alle Zeitphasen einschließende Dokumentation und Interpretation gelegt wird.